Geschichte

Der  “Verein zur Förderung einer Tagesstätte für psychisch Kranke” wurde 1989 von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SpD) in Neustadt/Rbge gegründet, mit dem Ziel eine Anlaufstelle und einen Treffpunkt für Menschen zu schaffen, die durch den Sozialpsychiatrischen Dienst betreut wurden. Pate der Idee war das „Café Klatsch” in Bremen, dessen Grundkonzept übernommen wurde.

1990 konnte nach ausgiebigen Verhandlungen  um Finanzierungsfragen  mit dem damaligen Landkreis Hannover und der Stadt Garbsen, mit viel Herzklopfen und ABM-Stellen das „Café Balance” in der Dorfstr. 29, 30827 Garbsen eröffnet werden. Von den allerersten Kolleginnen und Kollegen arbeitet heute niemand mehr beim Verein. Das Café-Angebot wurde gut angenommen und der Name „Café Balance” etablierte sich bis heute. Da das Café das erste dieser Art in Niedersachsen war, fand es großes Interesse und ziemliche Resonanz in der Fachöffentlichkeit und wurde wohlwollend gefördert.

1993 erlangte das Café den Status einer Tagesstätte für psychisch Kranke mit einer Kontaktstelle und einer von den Krankenkassen anerkannten Praxis für Ergotherapie. Die Kapazität der Tagesstätte betrug 15 Plätze. Damit bestand eine durch das BSHG abgesicherte Finanzierungsform. Die Förderung für die Kontaktstelle erfolgte durch den Landkreis Hannover und die Stadt Garbsen. Die Möglichkeit, durch Ergotherapierezepte zusätzliche Einnahmen zu erzielen, wurde damals ziemlich überschätzt. Dennoch konnten auf diesem Hintergrund die bestehenden ABM-Stellen in reguläre unbefristete Arbeitsverträge auf der Basis der Arbeitsvertragsrichtlinien des DPWV (Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband), die dem BAT entsprechen, verwandelt werden.

Am 01.07.1994 wurde für die Tagesstätte das bis dahin bestehende System des Gewinn- und Verlustausgleichs in den prospektiven Pflegesatz umgewandelt. Für den Verein hieß das, nicht mehr davon ausgehen zu können, dass seine Verluste vom Land übernommen würden, wenn er mit seinen Pflegesätzen nicht auskommt. Er brauchte allerdings auch seine erzielten Einkünfte nicht mehr offenzulegen. Der prospektive Pflegesatz heißt nichts anderes, als das für eine Leistung ein Preis ausgehandelt wurde und die wirtschaftlichen Folgen vom Verein getragen werden müssen. Der „Verein zur Förderung einer Tagesstätte für psychisch Kranke” war, wie alle anderen vergleichbaren Einrichtungen auch, in die freie Wirtschaft entlassen.

Ebenfalls 1994 änderte der Verein seinen Namen und nannte sich „Balance e.V.”.

Die folgenden Zeiten wurden hart. Die Einrichtung (immerhin die erste Tagesstätte in Niedersachsen) war zwar in der Regel gut belegt, hatte aber große Schwierigkeiten in angemessener Zeit an die dringend benötigten Kostenanerkenntnisse vom Land Niedersachsen zu kommen, um die erbrachten Leistungen auch abrechnen zu können. Der traurige Rekord zwischen dem Beginn einer Tagesstättenbetreuung und der Abrechenfähigkeit dieser Leistung liegt bei 14 Monaten. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass diese Zeit durch gravierende Liquiditätsprobleme des Vereins geprägt war. Nur durch den Wechsel zur Bank für Sozialwirtschaft, die bereit war, den Forderungsbestand des Vereins zu akzeptieren und einen entsprechenden Dispositonskredit (natürlich mit privaten Bürgschaften des Vorstands und des Geschäftsführers) einzuräumen, konnte eine drohende Insolvenz abgewendet werden.

1995 wurde im Dezember in Ronnenberg die zweite Tagesstätte eröffnet, zunächst mit bescheidenen 5 Plätzen in Räumen der Stadt Ronnenberg. Eine zu dieser Zeit bereits angestrebte Förderung einer Kontaktstelle wurde von der Stadt Ronnenberg bereits im Keim erstickt („Gute Idee – wir haben kein Geld”).

1996 sollte die Tagesstätte in Ronnenberg erweitert werden, die Anmietung der dafür vorgesehenen Räume verzögerte sich wieder und wieder. Gleichzeitig wurde versucht, die Stadt Ronnenberg für ein Kontakt-Café mit Kunst-Angebot und Nebenverdienstplätzen für psychisch Kranke in der ehemaligen Kapelle in der Stillen Straße zu begeistern, leider vergeblich. Auch die ortsansässige Kunstgemeinschaft „Der runde Tisch” zeigte uns die sehr kalte Schulter.

1997 wurden neue Räume Am Rathaus 9 in Ronnenberg angemietet und die dringend notwendige Platzzahlerhöhung auf 15 Plätze konnte verwirklicht werden.

1998 wurde die Tagesstätte in Hannover gegründet, zunächst mit 15, später mit 22 Plätzen. Dazu kamen eine Praxis für Ergotherapie und eine Kontaktstelle mit deutlich eingeschränkten Öffnungszeiten („mehr Geld ist leider nicht vorhanden…”).

1999 wurde die Einrichtung in Garbsen-Berenbostel auf 22 Plätze erweitert. Dazu zogen die Praxis für Ergotherapie und die Geschäftsstelle in die 2. Etage der Hermann-Löns-Str. 2a in Berenbostel.

2000 kam das betreute Einzelwohnen als ambulantes Angebot hinzu, 2001 das ambulante Einzelwohnenplus als Angebot für Menschen mit psychischer Erkrankung und zusätzlicher Suchterkrankung (Komorbidität).

2001 wurde die Tagesstätte in Ronnenberg auf 20 Plätze erweitert und neue Räume für die Ergotherapie wurden dazu gemietet. Ebenfalls wurde Ende 2001 die Balance Therapie GmbH gegründet, die ab dem 01.03.2002 die Praxen für Ergotherapie betreibt. In diesem Zuge wurde die Praxis in Garbsen um den Bereich Neurologie erweitert und die Geschäftsführung zog mit dem Büro für das betreute Wohnen in die dritte Etage der Hermann-Löns-Straße.

2002 wurden in Springe neue Büroräume für das betreute Wohnen angemietet und eine gemeinsame Nutzung mit dem Hospizverein Springe vereinbart.

2003 kam für die Praxis für Ergotherapie in Garbsen der Bereich Pädiatrie hinzu, zu diesem Zweck konnten neue Praxisräume in der ersten Etage der Hermann-Löns-Str. angemietet werden. Im November 2003 fand die erste Zukunftskonferenz des Balance e.V. statt.

2004 konnten neue Büroräume für das „Ambulant Betreute Wohnen“ in der Brühlstr. 3, 30169 Hannover angemietet werden. Ende 2004 wurde die Balance Wohnen gGmbH gegründet, die ab 2005 als Träger der ambulanten Maßnahmen auftritt. Im April 2005 fand die 2. Zukunftswerkstatt der Organisation Balance statt.

Im Juni 2005 hat die Balance Therapie GmbH die im Haus Hermann-Löns-Str. 2a etablierte Praxis für Physiotherapie übernommen.

Im April 2006 wurden in der Hermann-Löns-Str. neue Räume angemietet, um eine interdisziplinäre Praxis für Neurologie mit einer Ergotherapeutin und einer Physiotherapeutin zu installieren.

Im August 2006 ist das Büro für das „Ambulant Betreute Wohnen“ in der Brühlstraße 3  in neue Räume in demselben Haus gezogen.

Der lange geplante Umzug der Tagesstätte in Ronnenberg konnte, nachdem Anfang 2006 in den ehemaligen Fuchswerken geeignete Räume gefunden wurden, im Dezember 2006 realisiert werden. Nach Verhandlungen mit dem Land Niedersachsen verfügt auch diese Tagesstätte nun ab dem 01.01.2007 über 22 Teilnehmerplätze.

Die Tagesstätte in Hannover, Goethestr. 23 ist ab dem 01.01.2008 in neuen Räumen in der Brühlstr. 3, 30169 Hannover untergebracht. Die ehemaligen Räume der Tagesstätte werden in der Zukunft als Praxis für Ergotherapie genutzt.

Im Jahr 2008 ergab sich weiterhin die Möglichkeit, einen ehemaligen Kindergarten in der Brühlstr. 1 anzumieten, der zuvor als Kiosk genutzt wurde. Die Idee war, diesen auch wieder als Kiosk in Form eines Zuverdienstbetriebes für unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu nutzen. Nach den erforderlichen Umbauarbeiten wurde dieses Projekt im Sommer 2009 in Betrieb genommen. Inzwischen hat sich der Kiosk fest etabliert und ist eines der nachhaltigsten Arbeitsprojekte für psychisch kranke Menschen in Niedersachsen.

Ebenfalls in 2008 bietet Balance e.V. erstmalig psychosoziale Betreuung im Rahmen des SGB II an.

Im Jahr 2011 zog die Tagesstätte Hannover zurück in die Goethestr. 23 und bezog dort die nach einem Brand frisch renovierten Räume der ehemaligen Gastronomie im Erdgeschoss. Die Anzahl der Tagesstättenplätze wurde auf 37 erhöht.

Ebenfalls in 2011 wurde unser langjähriger Geschäftsführer Andreas Warlich in den Unruhestand verabschiedet.

2015 wurde in der Tagesstätte Badenstedt das voraussichtlich einzige Tagesstättenschichtsystem für Teilnehmer mit „Antriebsschwächen“ gekoppelt und eine Erhöhung der Teilnehmerplätze auf 32 vereinbart.

Das „Ambulant Betreute Wohnen“ hat einen weiteren Standort eröffnet. In unmittelbarer Nähe des KRH Wunstorf wurden die neuen Räume in der Südstr. 34 eröffnet. Hierdurch ist eine Verbesserung, Erweiterung und wohnortnähere Betreuung unserer Teilnehmer aus der Region Wunstorf möglich.

Erwerb der Häuser im Bürgerpark Berenbostel im Sommer 2016. Balance findet eine neue Heimat im Zentrum von Berenbostel und erwirbt Eigentum in der Gründungsgemeinde. Der Bürgerpark soll wieder seinem Namen gerecht werden und allen Bürgern als Treffpunkt und Erholungsort zur Verfügung stehen. Im Jahr 2017 startete die umfangreiche Sanierungs- und Umbauphase, die heute (Ende November 2017) noch nicht abgeschlossen ist. Wir hoffen Anfang 2018 mit unserer Tagesstätte und Kontaktstelle sowie der Ergotherapiepraxis und der Verwaltung umziehen zu können.